6 Jahre Thailand

 Erfahrungen, Einsichten, Impressionen

geschrieben von Anita und Simon, Herbst 2012

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diesen Herbst vor 6 Jahren besuchten wir zum ersten Mal Hua Hin, mit der Sommerresidenz des Königs. Der Ort wirkte noch etwas verträumt, dem langen Sandstrand entlang standen jedoch schon einige Hotels von Weltruf: Hyatt, Hilton, Sofitel und andere. Der Strassenverkehr chaotisch, die Fussgänger Freiwild, Gehsteige ungepflegt,gefährlich, die Kanalisation mit offenen Schächten, stinkig. Das Rotlicht-Milieu, von christlichen West-Sextouristen fleissig besucht, florierte. Die Landschaft und das Hinterland von Hua Hin traumhaft schön. Die Thais waren uns „älteren Menschen“ gegenüber sehr freundlich. Das Essen war gut und preiswert. Hua Hin lächelte uns entgegen.

Wir waren fasziniert von Hua Hin und sahen in der ersten Begeisterung wenig bis gar nichts von der Wirklichkeit und das Versprechen auf eine positive Entwicklung liess uns vieles übersehen. Die bunten, farbigen Werbeprospekte auf Hochglanzpapier versprachen das Paradies.

Wir interessierten uns für eine Senioren-Gemeinschaft, das Seniorenparadies Thailand, welche uns in Spanien angeboten wurde. Das Angebot stammte allerdings von einem Schweizer Unternehmen aus Wettingen. Das Land, wo die Senioren-Residenz entstehen sollte, im Hinterland von Hua Hin, nahe dem Wat Mongkol mit dem schwarzen Mönch, gefiel uns sehr. Eine weite Landschaft, die unser Herz öffnete.

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Der Verkäufer, einer jener kleveren Typen, welche glauben, dass jeden Morgen einige neue Dummköpfe aufstehen, denen man das Geld ohne Gegenleistung abnehmen kann. Wir erinnerten uns sogleich an die Machenschaften solcher Typen in Spanien, welche Kauflustige um ihr Geld betrogen. Wir sahen es richtig und gingen sofort auf Distanz. Die Residenz wurde nie gebaut. Leider gab es Geschädigte, die um ihr hart verdientes Geld gebracht wurden. Und der Rechtsstaat Thailand kümmert sich wenig um das, was Ausländer untereinander betrügen.

Ein Jahr später zogen wir in der Senioren-Residenz Lotuswell ein, die wir nach 18 Monaten, im Frühjahr 2010 wieder verliessen. Über die Gründe haben wir in unseren Blogs mehrfach berichtet.

Zur Zeit wohnen wir in einem Miethaus, etwas ausserhalb von Hua Hin, in einem Resort mit viel Freiraum und altem Baumbestand. Mit wenigen Ausnahmen stehen die Häuser in grossen Abständen, meist im eigenen gepflegten, grossen Garten und nicht wie bei Thai-Siedlungen üblich, eng aneinander gereiht und ineinander verschachtelt.

Hua Hin und die Umgebung hat sich, seit wir hier sind, stark gewandelt. Seit Bangkok immer wieder von Überschwemmungen heimgesucht wird, und die Millionenstadt langsam absinkt, so dass das Wasser nicht mehr ins Meer abfliessen kann, bauen oder kaufen vermögende Thais Zweitwohnungen nicht nur in Hua Hin, aber Hua Hin erlebt einen Bauboom ohnegleichen.

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Auch viele Ausländer, vor allem Betagte, lassen sich hier nieder. Mittlerweile gibt es eine Menge neue Resorts. Sie spriessen wie Pilze aus dem Boden. Viele sind fertig oder noch im Rohbau und warten auf Käufer. Aber auch ganze Geister-Ressorts gibt es.

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Oft wohnt niemand dort und die Häuser werden von der Natur wieder verschlungen.

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Oder es leben nur 2 – 3 Familien in einer grossen Überbauung. Vieles erinnert uns an Spanien mit den vielen leeren Wohnsilos. Heute entdeckten wir wieder eine neue gerodete Grünfläche mit einer grossflächigen Hinweis-Tafel mit dem Überbauungsplan. Ein neues Thailand-Paradies soll hier entstehen. Viele Unternehmer wittern in Hua Hin das grosse Geschäft und den raschen Gewinn. Dafür werden fantasiereiche Versprechungen geliefert, die kaum ausgeführt werden können.

Es ist beängstigend zu sehen, was aus dem ehemaligen Fischerdorf, ohne sinnvolle Bauplanung, gemacht wird. Die ganze Infrastruktur des Ortskerns bleibt dabei in seinem stinkigen Abwasser- und Abfallmuff stecken.

Hua Hin hat in den sechs Jahren, die wir hier verbrachten, das Lächeln weitgehend verloren.

Auch die Menschen verändern sich. Nicht immer zu ihrem Vorteil. Vor allem die Frauen, auch viele junge, werden immer dicker – auch die kleinen Kinder. Vielen Thais geht es finanziell besser. Sie geben ihre traditionelle Kost auf und essen Fastfood. Wir haben schon des Öftern Kinder beobachtet, welche das einheimische Futter verweigern und nach Frits schreien. Dabei sind hier Kartoffeln ein rarer Artikel und einiges teurer als jedes andere Gemüse.

Das Auswärtsessen ist zu einer Lotterie geworden. Es gibt hier alles von der Garküche am Strassenrand bis zum Fünfsterne-Hotel am Strand. Wer keine grossen Ansprüche stellt und Unreinlichkeiten in Kauf nimmt, der kann bestimmt günstig essen. Wer jedoch die Augen offen hat und sieht wie auf den Märkten mit Fleisch und Fisch umgegangen wird, dem wird der Appetit rasch vergehen.

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Das Fleisch ist oft der Sonne und den Fliegen ausgesetzt, die Fische werden nicht getötet, sondern dem Erstickungstod ausgesetzt. Auf unserem letzten Besuch auf einem Bauernmarkt sprang ein Fisch vom Tisch auf den sandigen, schmutzigen Boden. Mit viel Mühe konnte er wieder einfangen werden. Tierquälerei in extremis. Zu tode gequälter Fisch kann nicht gut schmecken. DSC09905

Wer garantiert schon, dass Garküchen und einheimische Wirte ihr Fleisch und den Fisch in einem sauberen Fachgeschäft einkaufen und nicht billig auf dem meist stinkigen und schmutzigen Tagesmarkt?

In den „besseren“ Lokalen bezahlt man europäische Preise. Wenn für einen Espresso/Café 150 Bath++, (das heisst immer +7% und + 10%) bezahlt werden muss, dann übersteigt das die finanziellen Möglichkeiten für viele. „Da reicht die Rente einfach nicht mehr“, sagte uns neulich ein Schweizer. (Umgerechnet ca. CHF 5.– oder € 4.–)

Und die Preisspirale ist nicht zu bremsen. Wir erfuhren es selbst ineinem Lokal am Meer, wo auch viele Einheimische ein- und ausgehen. Der Betrieb hatte für eine Woche geschlossen. Das Restaurant, eine grosse und gedeckte, zum Meer hin offene Terrasse wurde gereinigt, die Farben an Decke und Wänden etwas aufgefrischt und die Preise verdreifacht. Ein günstiges Mittagessen für 60 kostet nunmehr 180 Baht.

Als Vegetarierin isst Anita kein Fleisch. Das vereinfacht das Essen nicht immer. Obst und Gemüse gibt es täglich in reicher Auswahl – aber wir müssen im Klaren sein, dass auch hier die Chemie beim Spritzen von Obst und Gemüse nicht halt gemacht hat und oft übertrieben wird.

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Viele Ehepaare wandern im Rentenalter oder schon früher nach Thailand aus, um dort/hier den Lebensabend zu verbringen. Es gibt gute Gründe, um diesen Schritt zu wagen. Wer jedoch hofft, durch dieses Wagnis seine seit Jahren krieselnde Beziehung zu retten, macht sich falsche Hoffnungen. Jede/r nimmt seine Bürde mit. Probleme lassen sich nichtverdrängen. Zudem birgt ein solches Unternehmen für Frauen eine besondere Gefahr – immer dann, wenn sie ihren Partner vernachlässigt und die Liebe nicht gepflegt haben. Das fehlende Lächeln, die fehlende Freude im Umgang miteinander, kann zur persönlichen Katastrophe werden. Solche Frauen laufen Gefahr, dass ihr Partner in den verführerischen Fängen einer hübschen Thaihängen bleibt. Bald ein all tägliches Ereignis.

Diesen Thaifrauen geht es nicht um Liebe und nicht um Sex. Sie sind lieb und nett, aber es geht ihnen nur ums Geld. Wenn sie einen „Farang“, so heissen die Ausländer, angeln können, um damit ihre ganze Familie zu ernähren, dann tun sie es. Oft „opfern“ sie sich für einen ganzen Familienclan. Dass sie dabei ihren Körper verkaufen müssen, stört sie nicht. Nicht selten jedoch nimmt eine solche Beziehung ein tragisches Ende: Wird der „Farang“ durch das Alter, durch Unfall oder Krankheit pflegebedürftig, lassen diese lieben Thais ihren Partner oft im Stich. Es gibt kein Sozialsystem, das solche Fälle auffängt – die Rückkehr ins Heimatland ist angesagt. Auch finanziell Ausgebeutete werden gerne auf die Strasse gestellt.

Ausser in der gehobenen Tourismusbranche, habe ich (Simon) bis heute selten eine reife, erwachsene Thai-Frau gesehen. Was mir alltäglich begegnet sind seelisch im vierten Altersjahr zurück gebliebene Mädchen, die intelligent aber moralisch unerzogen auf Männerfang aus sind – oder mehr oder weniger fleissig ihre Arbeit verrichten. Pädophile (Pädosexuelle männliche Gestalten) kommen mit ihrer Neigung zu Kindern in Thailand voll auf die Rechnung. Da können sich die psychisch-geistig zurückgebliebenen Weibchen mit ihren Papieren als volljährig ausweisen.

Umgekehrt jedoch? Wie steht es mit den Thai-Männern? Thailand ist nicht Afrika. Ein Neger hat von seiner Natur und seiner Biologie her einer Frau auch einiges mehr zu bieten. Nicht umsonst strömt der weibliche Sextourismus in den schwarzen Erdteil. Solchen Ansprüchen steht ein Thailänder, mit ganz wenigen Ausnahmen, machtlos gegenüber. Dazu kommt die Unerzogenheit der Thais im Allgemeinen. Ausserdem macht in Afrika der schwarzer Mann mit einer weissen Frau einen beachtlichen Statusgewinn und wird akzeptiert.

Ein besonderes Thema ist die Gesundheit. Vielen Residenten geht es hier in Thailand „viel, viel besser“. Oft hören wir, es sei das tolle Klima, immer warm und vor allem, dass sie hier in diesem Klima keine Schmerzen mehr haben. „Mein Rheuma, meine Artrose ist wie weggeblasen“. Auch Menschen mit dem Krankheitsbild Fibrositis (Weichteilrheumatismus) spüren Erleichterung. „Es geht mir einfach gut hier!“ Für Leiden mit psychosomatischem Hintergrund ist die Erklärung einfach. Die Lebensenergie fliesst mit dem individuellen Interesse. Wer auswandert hat sicherlich ein grosses Interesse für die neue Umgebung, für das unbekannte, neu zu Entdeckende, für die neuen Lebensumstände und es gibt viel zu tun. Die Energie wird gebraucht. Sobald jedoch die neue Umgebung zur Gewohnheit geworden ist, das Interesse daran verloren geht – das Leben wieder zum Trott wird – wird die Energie nicht mehr positiv gebraucht, dann fliesst sie wieder wie vor der Auswanderung in den Schmerz. Zudem assimiliert der Körper das heisse Klima weitgehend, so dass das alte Leiden, oft stärker als eh, sich wieder durchsetzen kann.

Es gibt jedoch ein anderer ernst zu nehmenden Faktor mit krankmachendem Einfluss, dem ausgerechnet betagte Menschen vermehrt ausgesetzt sind: Das nasse, tropisch-heisse Wetter. Das kann zu verheerenden Folgen führen. Sobald äussere Hitze (auch heisser Wind) die Blutebene durchdringt, kann Verwirrung und Bewusstseinsverlust eintreten, können tonisch-klonische Krampfanfälle, Schüttelkrämpfe und Schwindelgefühle auftreten. Es kann auch zu hohem Fieber führen. Es entsteht ein energetisches Ungleichgewicht und kann im Koma enden. Schlimm, ja tragisch ist der kaum bemerkbare, schleichende Bewusstseinsverlust. Anfänglich sind es kleine Vergesslichkeiten, Trägheit, Willensschwäche und Alzheimer ähnliche Zustände, die meist humorvoll und spöttelnd übergangen werden.

Die westliche Medizin hat dafür keine Bezeichnung. In gemässigten Klimazonen gibt es diese Krankheit nicht. Die traditionelle Chinesische Medizin hingegen hat dafür eine Bezeichnung und kann sie mit Akupunktur behandeln. Schutz bietet jedoch nur Abkühlung und der Aufenthalt in kühlen Räumen – ein Leben im Kühlschrank. Abhilfe bietet das Leben in einer gemässigten Klimazone.

Der Traum vom schmerzlosen Alter in tropischer Wärme ist meist von kurzer Dauer und bald einmal ausgeträumt.

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Interessant und ehrlich, da möchte ich auch gar nicht widersprechen. Aber leider etwas viele negative Beispiele. Es gibt auch viele schöne und positive Aspekte. Beispiele: Das Essen ist so was von abwechslungsreich und schmackhaft. Hat unser Schweizer Steak besser gelebt? Bei einer Ehe zwar zwischen einem älteren Schweizer und einer jüngeren Thai muss nicht unbedingt die Liebe als Hauptfaktor herhalten. Es kann auch Respekt sein – was die Thais gründsätzlich gegenüber älteren Menschen haben. Diese Partnerschaft kann bis zum ableben dauern und vom Respekt leben und … die Pflege kann herzlich sein. Wenn ich da an meine Grosseltern im Pflegeheim… Read more »